Aus der Geschichte der Stadtkirche

Die evangelische Stadtkirche ist das älteste Gebäude der Stadt Burgstädt. Sie steht unter Denkmalschutz!

Die Bibel sagt (Psalm 122,1): "Ich freue mich über die, welche sagen: Lasset uns in das Haus des Herrn gehen!".
Wir wollen hier einen kleinen historischen Überblick aus der Vergangenheit der Stadtkirche geben.

Als um 1450 durch die Hussiten die berühmte Wallfahrtskapelle in der Kühnhaide zerstört wurde, versammelten sich die Gläubigen in der Umgebung besonders zahlreich in der neuen Stadtsiedlung "BURCKSTETT". Da wir kein genaues Gründungsjahr von Burgstädt kennen, ist uns auch das Baujahr der ersten Kirche unbekannt.

Die älteste Kirche ist nur eine kleine Kapelle gewesen. Sie stand aber ursprünglich (in katholischer Zeit) an der gleichen Stelle wie heute unsere Kirche. Zu dieser Kapelle gehörte die heutige Alte Sakristei mit Eingang. Die alten, starken Mauern haben alle Zerstörungen des 30-jährigen Krieges überstanden.
An diese Kapelle war noch ein weiteres kleines Bauwerk angefügt, welches wunderbarerweise den großen Stadtbrand vom 3. September 1650, dem auch Seigerturm, Schule, Pfarrhaus und Kirche zum Opfer fielen, überstanden hat. Es ist der sogenannte Ölberg. Ein Dachziegel mit der Jahreszahl 1472 existiert noch. Erst bei der späteren großen Kirchenrenovierung 1882 ist der Ölberg wegen Verfall beseitigt und dafür ein Erinnerungs-Buntglasfenster gestiftet worden.

Der mittlere Außenpfeiler des fünfeckigen Altarplatzes trägt die Jahreszahl 1522. Dies ist das Jahr der umfassendsten Veränderung der Kirche. Ein anderer Pfeiler trägt die Zahl 1882 und ein dritter die Zahl 1934. Das sind die anderen beiden großen Baujahre gewesen.

Die ursprüngliche Kapelle mit Vorbau wurde 1522 als nördliche Sakristei belassen und daneben das Gotteshaus in seiner heutigen Grundform angelegt (Innenmaße: 33 m lang, 13,5 m breit und 12 m hoch).

Der erste evangelische Gottesdienst wurde am 15. August 1539 gehalten.

Bis zum großen Stadtbrand von 1650 hat diese Kirche über 100 Jahre der Gemeinde gedient. Ihre damals vier alten, schönen Glocken sollen aus der um 1450 zerstörten Kapelle Kühnhaide stammen.
Nachdem 1650 an Stelle der geschmolzenen alten Glocken neue gegossen waren, konnte 1656 die wiederhergestellte Kirche erneut benutzt werden. Zu den damaligen Verschönerungen gehören:

  • ein Taufstein von 1658 (1979 wieder neu aufgestellt)
  • ein neuer Schnitzaltar vom Bildschnitzer Christian Suttinger (Chemnitz) zusammen mit dem Burgstädter Tischler Ehrenfried Fischer
  • der Mittelteil mit der Versinnbildlichung der Lutherischen Lehre
  • die Mittelfigur des Auferstandenen und zwei Apostelfiguren sind heute noch vorhanden und schmücken die Kirchenwände.

1696 wurde die erste Orgel beschafft. 1704 wurde eine jetzt noch benutzte schwarze Altarbekleidung gestiftet und 1706 das an der Wand neben der Orgel aufgehängte Kruzifix gestiftet.
Nachdem die erste Orgel ca. 100 Jahre gedient hatte, wurde 1847 ein neues Werk beschafft, welches 1904 durch eine pneumatische Orgel der Firma Sauer (Frankfurt/Oder) mit 3 Manualen und 44 Registern ersetzt wurde.

1882 wurde endlich auch der angefangene Turm fortgesetzt und im Achteck mit einer 1934 mit Kupferblech gedeckten und einem vergoldeten Kreuz abschließenden Spitze (Gesamthöhe von 63,5 m) vollendet.
1891 wurde die Kirchturmuhr eingebaut.

Nachdem die Kirche 1882 im Neugotischen Stil renoviert war, die Raumwirkung des flachgedeckten Kirchenschiffes mit den Wulstgirlanden der Decke (wohl um 1717) und die dreiteiligen Maßwerkfenster aber keinen einheitlichen Baustil erkennen ließen, führte man 1934 eine weitere Erneuerung durch. Ein bereits 1875 geschenktes Altarbild wurde in schöner Eichenholzumrandung, von den Holzstandbildern der Apostel Paulus und Petrus flankiert, beibehalten.

1899 schon erhielt das Schiff ein neues, bequemes Gestühl, so dass seitdem etwa 1000 Sitzplätze vorhanden sind.

Von der 1934 durchgeführten Renovierung ist besonders zu erwähnen: Neue Buntglasfenster, ein neuer Orgelprospekt, die Ersetzung der Gasbeleuchtung durch eine elektrische Lichtanlage (1977-79 durch eine neue Infrarotheizung erweitert und die gesamte Lichtanlage wieder erneuert), ein erleuchtetes Lampenkreuz an der Kirchendecke, die Verkleidung der Emporenbrüstungen, Beseitigung der nachgemachten Gotik an vielen Stellen, die neue Kupfertür am Haupteingang, sowie der gesamte Außenputz und die umfassenden Malerarbeiten.
Der Turm erhielt an Stelle der Zinkbedeckung ein Kupferdach und die Zink-Kreuzblume wurde durch ein vergoldetes Kupferkreuz ersetzt.

1887 wurden die drei alten Glocken in Dresden bei der Firma Bierling zu einem neuen Des-Dur-Geläut umgegossen, welches 1942 - ausgenommen eine kleine Bronzeglocke - abgeliefert werden musste. Am 14. März 1953 wurden drei neue Stahlglocken der Firma Schilling (Apolda) mit der vorhandenen Bronzeglocke zum heutigen Geläut vereinigt.

Bemerkenswert: An der Südseite des Turmes eine Kopfkonsole (Nonnenkopf mit Eselsohren, wahrscheinlich eine Spenderehrung).

Am 24. Februar 1929 fand die feierliche Weihe des vom Bildhauer Mund (Chemnitz) geschaffenen Ehrenmals an der Südseite statt. Es trägt die Namen von über 500 im 1. Weltkrieg Gefallenen unserer Kirchgemeinde.

Auf dem Altarplatz liegt Pastor Joh. Goetzinger (1628-1699) begraben und an der Außenwand des Südbaues der Kirche ist die Grabplatte von Pfarrer Paulus Held (gestorben 1588) aufgestellt.

Ölgemälde sind in der Kirche vorhanden von den Pastoren Moritz Engel (1673-1741) und seinem Sohn Christian Engel (1707-1741) sowie Samuel Benjamin Fehre (1704-1772).

Am 3. Advent 1950 predigte Herr Landesbischof D. Hahn hier und am 13. Dezember 1951 und 19. November 1960 sprach Kirchenpräsident D. Niemöller zu Tausenden von Zuhörern.

Im Januar 1985 wurde unsere Kirche vorübergehend entpflichtet, um die dringend notwendigen Bauarbeiten im Inneren beginnen und durchführen zu können. Das gesamte Gestühl lagerte während dieser Zeit in einer Scheune in Heiersdorf.
Es war notwendig, die ganze Fläche des Fußbodens aufzunehmen, auszuschachten, zu isolieren und mit Platten aus Rochlitzer Porphyr zu belegen.
Die gesamte elektrische Anlage musste neu gestaltet werden. Besonders zu erwähnen sind die Fußbodenheizung im Altarraum, die drei flämischen Kronen und die entsprechenden dreiarmigen Wandleuchter, die von der Firma Lorenz (Grüna) in Messing hergestellt wurden.
Unter Leitung des Restaurators H. Müller (Plauen) wurde der Altar restauriert und aufgestellt, an Stelle des alten neugotischen. Die Malerarbeiten zeigten vor allem nach der Entfernung der Emporenverkleidungen die barocken Schönheiten auf: die Spiegel, die biblischen Schrifttexte.
Der Kanzelaltar stammt als Leihgabe aus der St. Michaelis-Kirche zu Wiedersberg, Ephorie Oelsnitz/Vogtland, ebenso der Lesepult-Engel, der ursprünglich als Taufengel aufgestellt war. Dessen linke Hand trägt jetzt das Lesepult, die rechte Hand hielt früher die Taufschale. Der Hofer Meister Nicolaus Knoll und seine Söhne schufen zusammen mit dem Maler Heinrich Matthäus Lohe diesen barocken Kanzelaltar. 1730 war das berühmte Alterswerk vollendet. In der Predella ist das Heilige Abendmahl dargestellt. Darüber sehen wir die Kreuzigung: Maria und Johannes neben dem gekreuzigten Herrn. Die großen Seitenfiguren verkörpern die Apostel Petrus und Paulus. Über der Kreuzigung sind die Auferstehung, die Himmelfahrt und das Pfingstfest dargestellt. Der Taufengel wurde 2012 nach Wiedersberg zurückgegeben, der Kanzelaltar wird folgen. Eine Neugestaltung des Altarraumes ist seit 2012 in der Planung.
Wegen akuten Schwammbefalls musste die Neue Sakristei abgebrochen werden. An gleicher Stelle wurde sie vollständig wieder aufgebaut. Sie erhielt als Beleuchtung flämische Wandarme, wie sie in der Kirche verwendet wurden.
Genutzt wird der schöne Raum zu Kindergottesdiensten, Amtshandlungen im Winter, kleineren Veranstaltungen, Ausstellungen usw.

Am ersten Adventssonntag, dem 30. November 1986, wurde unsere Stadtkirche mit einem Festgottesdienst und einer sich anschließenden Festwoche wieder eingeweiht.
Die Gemeinde hatte große Opfer gebracht und bei den umfangreichen Bauaufgaben sehr lebendig mitgearbeitet. Pfarrer Krebs hatte die Bauleitung übernommen. Baupfleger Dr. Pasch erstellte die Konzeption der Restaurierung. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 350.000 Mark.

In der letzten Septemberwoche 1989 erinnerte die Gemeinde mit einer Festwoche daran, dass seit 1539 in der Stadtkirche evangelischer Gottesdienst gehalten wird. Die lutherischen Visitatoren erreichten am 15. August 1539 Penig und Burgstädt. Neben mehreren Veranstaltungen wurde auch die Ausstellung über die Reformation in Sachsen in der Kirche gezeigt. Im Gottesdienst am 1. Oktober 1989 predigte der Landesbischof Dr. Hempel.

Auch in der nachfolgenden Zeit fanden Erneuerungsarbeiten statt. In den Jahren 2012 und 2013 wurde das Kirchendach komplett erneuert.

An jedem Sonntag versammelt sich um 9.30 Uhr die Gemeinde zum Evangelischen Gottesdienst. Auch die Steine reden und sie fragen Dich: Wie oft bist Du in Deiner Kirche als andächtiger Hörer des lebendigen Gotteswortes?

HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt! (Ps. 26,8)

Quellen:
Geschichtsdarstellung von Pfarrer Reinhard Krebs (Teil I 1979 und Teil II 1990), basierend auf den Chronikunterlagen von Pastor Ackermann und den Studien von Pfarrer Eichhorn